Ich könnte Euch allen von den 50 Kindern und Jugendlichen, die teilgenommen haben und den Mengen an Einkäufen für zwei Mittagessen erzählen. Oder vom Wetter mit Regen, Eis und Schnee, von 140 Besuchen und von schon 7600 Euro, die für Kinder gespendet wurden. Euch die diesjährigen Zahlen nennen, denn sie sind beeindruckend und doch sind es jedes Jahr andere Dinge, die mir im Kopf bleiben.
Zur Vorgeschichte: Ich habe vor Jahren in liebevoller Handarbeit Sternsinger-Sterne für unsere Gruppen gemacht. Ich habe gesägt, geschliffen, mehrfach lackiert und sie dann vor Schwertkämpfen beschützt. Alle Sternsinger wissen ordentlich mit den Sternen umzugehen, sie sind etwas wertvolles und vielleicht haben die Kinder auch ein bisschen Respekt vor mir und der Arbeit, die in die Sterne geflossen ist.
Dieses Jahr fiel bei einem Hausbesuch ein Stern zu Boden und zerbrach in drei Teile – Totalverlust!
Die Gruppe wusste, das macht Britta nicht froh und ich war nicht froh, bis ich die Geschichte erzählt bekam und den zertrümmerten Stern sah.
Er war hinten mit Paketband zusammen und an den Stab geklebt, auf der Vorderseite wurde mit goldenem Heißkleber gearbeitet und die Teile zusammengefügt. Nicht sorgfältig und unauffällig, nein, von Kinderhänden, etwas schief und mit dicken Klebewülsten. Die besuchte Familie und Nachbarn hatten sich zusammengetan und gemeinsam mit den Kindern versucht, den Stern zu retten.
Das ist mein Moment, mein Segen für dieses Jahr. Miteinander, sich wirklich wahrnehmen, helfen so gut man kann, das Beste aus dem machen, was man zur Verfügung hat.
Der zerbrochene Stern ist nicht hässlich, er ist nicht unbrauchbar, er hat jetzt eine Geschichte.
In Japan gibt es eine traditionelle Kunst, die Kintsugi heißt. Zerbrochene Keramik wird mit einer Mischung aus Lack und Gold-, Silber- oder Platinpulver repariert. Dies hebt die Bruchstellen hervor, anstatt sie zu verstecken. Die Narben werden als Teil der Geschichte und als Teil der Schönheit des Objekts betont. Das Unperfekte ist schön, Heilung und die daraus entstehende Resilienz lassen Makel zu Stärke werden.
Das ist unser Stern, er steht für die Hingabe der Sternsinger-Kinder, -Jugendlichen und -Erwachsenen sich für andere einzusetzen und da zu sein. Er steht für die vielen Begegnungen mit den Menschen in Altersheimen, KiTas, Behindertenwerkstätten und Wohnungen. Wir sind ein wunderbar chaotischer Haufen mit unterschiedlichen Talenten und Geschichten. Auch wir haben unsere Makel, aber das gemeinsame Ziel „Segen bringen – Segen sein“, die Welt ein wenig besser zu machen, bringt uns jedes Jahr wieder zusammen.
Also sitze ich jetzt am zerbrochenen Stern, verstärke was zu verstärken ist und repariere die Brüche etwas permanenter – aber ich werde sie nicht verstecken.
Wenn Ihr also im nächsten Jahr den Stern seht, freut Euch, denn er ist der besondere Stern mit Geschichte. Er erinnert uns daran, dass Mitgefühl, Liebe und Segen immer unter uns weilen und dass etwas mehr Glitzer nie verkehrt ist.
Alles Liebe und ein gesegnetes 2026 wünscht euch Britta Stenutz